Es sind oftmals Schlüsselerlebnisse, die eine Veränderung auslösen. So war es auch bei mir. Ich nannte mich zwar schon immer Tierfreund, machte aber einen großen Unterschied zwischen den Tieren, die bei mir zu Hause auf der Couch liegen und im Bett schlafen durften, und denen, die auf meinem Teller landeten. Ich hinterfragte das Ganze nicht. Zu Hause bin ich mit Fleisch und Wurst aufgewachsen. Teewurst auf dem Frühstückstisch, Bolognese zum Mittagessen und zum Abendbrot Lyoner: Das alles war für mich die längste Zeit meines Lebens normal.
Schicksalsente öffnet mir die Augen
Im Sommer 2015 war dann Schluss: Mein finaler Augenöffner war ein Küken. Gerade mal ein paar Tage alt, saß es bei einem dienstlichen Besuch bei den Kleintierzüchtern in meiner Hand. Dass dieses kleine, fluffige, lieblich dreinschauende Etwas eine frisch geborene Pekingente war, konnte ich kaum glauben: Mit der Pekingente, die ich beim Asiaten ganz gerne aß, hatte dieses wundervolle Wesen wenig zu tun. Als ich erfuhr, dass diese Mini-Ente bereits todgeweiht war – sie sollte zum Weihnachtsfest geschlachtet werden – hat sich in meinem Kopf der Schalter umgelegt: Ich empfand es als ungerecht, dass der Mensch über das Leben eines anderen Geschöpfes entscheidet. Später erfuhr ich übrigens, dass das Küken zum Glück doch nicht geschlachtet wurde.
Bereicherung anstelle von Verzicht
Ja, diese Challenge dauert bis heute an. Nach Ablauf des Monats ging es mir so gut, ich fühlte mich fit, lebendig und vermisste absolut gar nichts auf meinem Teller, so dass ich einfach bei der veganen Ernährung geblieben bin. Mein 2016 gestarteter Food-Blog „Schürzenträgerin – Fleischlos durch den Tag“ wurde von dem Zeitpunkt an nur noch mit rein pflanzlichen Rezepten und Inhalten gefüttert. Die vegane Ernährungsweise wurde zu meiner Leidenschaft: Ich entdeckte Neues in der Küche, kochte so vielseitig wie nie zuvor, setzte mich zum ersten Mal in meinem Leben mit Mikronährstoffen auseinander und hörte immer wieder intensiv in mich und meinen Körper hinein. Mein Wohlbefinden wuchs, meine Leistungsfähigkeit steigerte sich und meine Stimmung hellte sich auf. Die vegane Ernährung war das, was in meinem Leben gefehlt hat.